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am zeitstrahl

Die Vorgeschichte des Hauses

Alles begann mit Dichtern, die der Literaturwissenschaftler, Schriftsteller und „Akzente“-Herausgeber Walter Höllerer im Wintersemester 1959/60 nach Westberlin lockte, aus ihren Büchern vorzulesen, aber nicht im Haus am Wannsee, das er wahrscheinlich noch gar nicht kannte und das damals noch eine bessere Ruine aus den großen Tagen Preußens war, nein, der gebürtige Oberpfälzer konfrontierte bekannte westdeutsche Lyriker und Prosaschreiber mit ungebildeten „Ingenieurlehrbuben“ der Technischen Universität.

Ein literturpädagogisches Experiment mit einem überraschenden Ergebnis: Die Dichterlesungen faszinierten nicht nur die TU-Studenten im Westen, sondern ganz Berlin so sehr, dass Walter Höllerer mit seiner Reihe ein Jahr später bereits in die große Kongresshalle umziehen musste.

Hier in der „Schwangeren Auster“ – so der Kosename für das heutige Haus der Kulturen der Welt im Tiergarten - präsentierte Höllerer den Westberlinern leibhaftig die „creme“ der internationalen Moderne. Und die inzwischen ausgesperrten Ostberliner erreichte Walter Höllerer mit Hilfe des "Senders freies Baldrian", wie der SFB im Osten verspottet wurde. Er war meist live dabei.

 

Den Riesenerfolg dieser deutsch-deutschen Dichterlesungen fortzusetzen, reichten die universitären Mittel nicht aus. Deshalb gründete der inzwischen zum „Professor der fröhlichen Wissenschaft“ und „Zirkusdirektor“ avancierte Höllerer das Literarische Colloquium Berlin und baute seine Manege der Dichter auf einer Haveldüne auf.

Das Haus am Wannsee wurde 1884/85 von einem großmannsüchtigen Piefke erbaut, verlässlich ohne literarische Ambitionen. Der erste Literat, den dieses "Schloss am Wannsee" beherbergte, war der Dramatiker Carl Zuckmayer. Er schrieb hier sein rheinisches Volksstück "Der Fröhliche Weinberg" (1925) und schilderte das Schloss als "einen grässlichen Kasten im Stil einer imitierten Ritterburg", aber er rühmte die Aussicht und die umgebende Landschaft.

Und die nächsten Literaten, die hier residierten und die in den vier Jahrzehnten immer wieder kamen, waren bereits Autoren der Gruppe 47, eingeladen von Walter Höllerer. Dazwischen hausten viele Soldaten hier, deutsche und amerikanische.

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